zur Kindertagespflege-Gruppe
Unser Pädagogisches Konzept orientiert sich an den Leitlinien der Marte Meo Pädagogik nach M. Aarts. Eine klare Kommunikation der Betreuungspersonen gibt den Kindern Orientierung und Sicherheit im Betreuungsalltag. Die Pädagogik von Emmi Pikler (freie Bewegungsentwicklung, beziehungsvolle Pflege, der vorbereitete Spielraum u.v.m.) unterstützt uns in unserer Arbeit und hilft uns, achtsamen und respektvollen Umgang mit den Kindern und untereinander zu pflegen.
Wir sprechen wegen der Vertrautheit des Begriffes „Eingewöhnung“ von der Eingewöhnungsphase. Allerdings verstehen wir diese Zeit eher als ein „Miteinander-vertraut-werden“. Diese Phase dient sowohl Ihrem Kind als auch Ihnen und uns, um uns kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und uns gegenseitig über unsere Erziehungsvorstellungen auszutauschen.
Diese erste Zeit liegt uns besonders am Herzen. Wir gewöhnen Ihr Kind in Anlehnung an das Modell der Partizipativen Eingewöhnung (Prof. Dr. Marjan Alemzadeh) ein. Dazu befinden wir uns in ständiger Weiterentwicklung und Fortbildungsprozessen.
In der Eingewöhnungszeit geben wir dem Kind ausreichend Zeit, sich mit der neuen Situation vertraut zu machen. Die Anwesenheit einer Bezugsperson Ihres Kindes unterstützt diesen Prozess, denn eine vertraute Person bietet dem Kind eine sichere Basis. So kann es sich ohne Verlustangst der neuen Umgebung, der noch fremden Bezugsperson und den anderen Kindern zuwenden.
In dieser Zeit haben Sie als Eltern die Möglichkeit sich mit unserer Arbeit vertraut zu machen, uns als neue Beziehungsperson des Kindes zu erleben und sich über die neue Eigenständigkeit des Kindes zu freuen.
Unsere fachliche Erfahrung unterstützt uns in der Grundannahme, dass eine gelungene, emotional positiv begleitete Eingewöhnung für das Kind hinsichtlich seiner weiteren Exploration in einer Gruppe (Kindergarten, Schule usw.) von enormer Bedeutung ist.
Diese erste gemeinsame Zeit ebnet den Weg für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Familie und der Kindertagespflege-Gruppe.
„Spiel ist nicht Spielerei, es hat hohen Ernst und tiefe Bedeutung.“
Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782-1852), Pädagoge, Erfinder des Kindergartens (nachzulesen im Orientierungsplan BaWü, Seite 48).
Das freie Spiel hat in unserer Arbeit einen zentralen Platz. Im Kindesalter ist das Spiel die Grundlage allen Lernens. Das Kind nähert sich der Welt spielend, verarbeitet Erlebtes und hat im Spiel die Möglichkeit, tiefe Freude zu empfinden.
Diesen wichtigen Erfahrungen geben wir viel Zeit und Raum.
In einer Zeit, in der Kinder sich immer früher von außen gestellten Aufgaben widmen sollen (möglichst schnelle motorische Entwicklung, möglichst frühes Erlernen einer zweiten Sprache u.ä. Anforderungen), vertrauen wir auf die Neugier des Kindes, sich in seinem eigenen Tempo - durch das Spiel - mit sich selbst und seiner Umwelt vertraut zu machen.
Wir stellen den Kindern vorbereitete Räume zur Verfügung, in denen sie sich ausprobieren dürfen, Erfahrungen sammeln können und Zeit haben, mit verschiedenen Materialien zu experimentieren.
So kommen sie mit sich selbst und anderen Kindern in einen guten Kontakt.
"Im alltäglichen Leben gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Entwicklung von Kindern zu unterstützen und ihnen so ein "Goldenes Geschenk" zu machen, von dem sie dann ein ganzes Leben profitieren."
Maria Aarts, Das Goldene Geschenk, Verlag Marte Meo International
Wir gehen davon aus, dass Kinder von Anfang an kompetente Wesen sind, die danach streben zu lernen.
In Selbstbildungsprozessen eignen Kinder sich stets neues Wissen an, indem sie ausprobieren, über Versuch und Irrtum lernen, beobachten und nachahmen.
Das heißt für uns, die Entwicklungsschritte des Kindes sensibel zu beobachten und zu begleiten.
Bildung begreifen wir als einen ganzheitlichen Prozess, der nicht nur auf die kognitive Entwicklung des Kindes beschränkt ist, sondern ebenso die Entwicklung der emotionalen Intelligenz, des Selbstbewusstseins sowie kreative, musische und künstlerische Bildung einschließt.
Bildung setzt immer positive Beziehungen zwischen Ihrem Kind und uns als Fachkräften voraus. In verschiedenen Alltagssituationen (bspw. beim Wickeln und Anziehen) begleiten wir Ihr Kind intensiv in Eins-zu-eins-Settings, um dem Kind in seinem Bedürfnis, gesehen zu werden, gerecht zu werden. So ist Ihr Kind gestärkt und kann sich seinen jeweiligen Entwicklungsaufgaben stellen.
Auch die gemeinsamen Mahlzeiten betrachten wir als Bildungssituationen, in denen wir einzelnen Kindern, je nach Entwicklungsstand, unsere Zuwendung und Unterstützung anbieten. Gleichzeitig nutzen wir die Kleingruppensituation, damit sich die Kinder als Teil einer kleinen Gruppen erleben können (" Du kannst ja mal den … fragen, er kennt sich schon gut aus mit Reißverschlüssen, vielleicht kann er dir beim Öffnen deines Rucksacks helfen“) In diesen Settings besteht immer wieder die Chance, den Kindern die Möglichkeit von Selbstwirksamkeit zu geben und die anderen Kind als Orientierung für das eigene Handeln wahrzunehmen.
Alle Prozesse des Alltags begleiten wir auch sprachlich und orientieren uns am Tempo Ihres Kindes. So ist das Kind orientiert, weiß was als nächstes geschieht und kann kooperieren.
Wir warten bei allen Bildungsprozessen ab, bis die Kinder die nötige Reife haben und Interesse in den verschiedenen Bildungsbereichen zeigen. Gerade im Bildungsbereich Bewegungsentwicklung greifen wir nicht vor, sondern beobachten die Kinder genau und stellen ihnen das nötige Material zur Verfügung. So haben die Kinder Erfolgserlebnisse und lernen sich selbst zu vertrauen.
Die Kinder haben die Möglichkeit gemeinsam, aber auch allein zu spielen. Es gibt für die Kinder verschiedene Spielbereiche (Wasser, Sand, Knete usw.), die die Kinder einladen, allein oder in kleiner Gruppe in Ruhe Erfahrungen zu sammeln.
In unserem vorbereiteten Raum treffen die Kinder auf altersgemäßes Spielmaterial.
Die Kinder können sowohl mit strukturiertem als auch unstrukturiertem Material Erfahrungen machen (Bauklötze, Utensilien für erste Rollenspiele / Naturmaterial, schräge Ebenen, Pikler-Material u.v.m.).
Das Material ist nicht auf seine ursprüngliche Funktion festgelegt; so können z. B. Wäscheklammern zu Schlangen werden, oder aber am Wäscheständer Seilbahn fahren.
Unser Material (Wasser, Sand, Farbe) motiviert die Kinder zum Experimentieren an. Das Mobiliar regt die Kinder - je nach Entwicklungsstand - zum selbständigen Ausprobieren an.
Durch wiederkehrende Elemente geben wir den Kindern Orientierung im Tagesablauf (feste Abläufe beim Händewaschen, gemeinsames Essen, Anziehen usw.). Kleine Verse und Lieder unterstützen die Kinder dabei und bieten zudem Orientierung und Sicherheit.
Das Frühstück geben Sie Ihrem Kind täglich in der Vesperdose mit. Die Kinder essen bei uns in kleiner Runde miteinander; dabei helfen feste Rituale sich zu orientieren und gemeinsam die Mahlzeiten zu genießen.
Geburtstage feiern wir mit einem Geburtstagslied und einer kleinen „Genussrunde“ im Kreis. An diesem Tag darf das Geburtstagskind einen kleinen Fingerfood-Snack mitbringen.
Auch den Abschied in die Kita begleiten wir mit einem Lied und festen Ritualen.
"Wenn du glücklich bist, dann klatsch mal in die Hand. Ja du kannst es allen zeigen, musst Gefühle nicht verschweigen, wenn du glücklich bist, dann klatsch mal in die Hand!"
Kinderlied
Kinder dürfen bei uns ihre Emotionen zeigen. Wir ermutigen Kinder, auch Gefühlen wie Wut, Schmerz und Trauer Raum zu geben. Wir benennen Gefühle bei ihrem Namen und helfen den Kindern so, diese als zu ihnen gehörend und ganz normal zu erleben. Oberstes Gebot ist dabei Gewaltlosigkeit; auch bei Wut darf niemand geschlagen werden. Gerade bei morgendlichen Trennungssituationen kann es sein, dass das Kind mit Schmerz reagiert, weil es gerne noch bei der Bezugsperson bleiben möchte. In diesen Situationen benennen wir die Emotion des Kindes: „Oh, heute bist Du traurig, dass Mama/Papa/Begleitperson jetzt geht. Ja, das kann ich gut verstehen. Wenn Du möchtest, darfst du zu mir kommen. Ich bleibe bei dir, bis du getröstet bist.“
Das Kind erlebt sich bei allen Emotionen von den Erwachsenen akzeptiert, bekommt ein Bild von sich selbst in allen Gefühlslagen und lernt immer mehr, sich selbst zu regulieren, weil es Sprache für seine Gefühle bekommt und diese immer besser benennen kann.
Den Kindern stehen zur Verarbeitung belastender Gefühle Materialien und Räume zur Verfügung (z.B. Knete zum Spannungsabbau, große Sitzsäcke zum Hineinspringen, genug Platz zum Rennen, um Spannungen abzubauen).
Gemeinsam mit den Kindern zu lachen und der Freude Ausdruck zu verleihen ist uns ein wichtiges Anliegen. Es spiegelt unsere positiven Emotionen und unterstützt unsere körperliche und seelische Gesundheit. Das kann beim gemeinsamen Singen ebenso passieren wie beim Hüpfen, Späße machen oder beim stillen Genießen der Freude.
„Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen.“
Die Bibel, Hebräer. 10, Vers 24
Für die äußere und innere Sicherheit der Kinder fühlen wir uns zuständig.
Wir verstehen uns als Begleitende der Kinder in ihren Spiel -, Bildungs- und Entwicklungsprozessen. Wir begegnen der individuellen Entwicklung jedes Kindes mit Respekt und sehen wertschätzend auf seine Fortschritte.
Um die innere Sicherheit Ihres Kindes zu schützen, achten wir z.B. in Wickelsituationen auf einen respektvollen Umgang mit der Intimsphäre der Kinder (wenn Kinder beim Wickeln keine anderen Kinder als Zuschauende dabeihaben möchten, akzeptieren wir das selbstverständlich).
Die äußere Sicherheit Ihres Kindes gewährleisten wir durch die Betreuung in kindgemäß gestalteten Räumen.
Im Team geben wir uns gegenseitig wertschätzende Rückmeldung, wie wir die anderen in der Arbeit mit den Kindern wahrnehmen. Wir unterstützen uns stets gegenseitig, um auch in turbulenteren Situationen angemessen zu reagieren. Regelmäßige Fortbildungen gehören zum Konzept und inspirieren uns.
Alle Betreuenden nehmen kontinuierlich an Erste-Hilfe-Kursen teil. Unsere pädagogische Arbeit wird durch regelmäßige Supervision von außen und die Überprüfung unseres Handelns durch Marte Meo Beratungselemente innerhalb des Teams weiterentwickelt. Die Fachkräfte des Fachdiensts Kindertagespflege der Stadt Karlsruhe unterstützen uns bei Fragen und besuchen uns regelmäßig, um die Qualität unserer Arbeit mit uns gemeinsam weiterzuentwickeln.
„Die Bedingung, damit Kinder ein gesundes Selbstgefühl entwickeln können, ist nicht, dass ihre Eltern eines haben, bevor sie Kinder in die Welt setzen. Es verlangt nur genügend Offenheit von den Eltern, um ihr Selbstgefühl zusammen mit den Kindern weiterzuentwickeln, und zwar gleichzeitig damit, wie die Kinder ihres entwickeln.“
Jesper Juul
Die Eltern und Bezugspersonen kennen ihr Kind und sind damit Expert*innen in Bezug auf das Kind. Deswegen ist es uns wichtig, im engen Austausch mit Ihnen zu sein, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufzubauen und eine gute Erziehungspartnerschaft miteinander zu entwickeln.
Wir sind mit Ihnen täglich - mittels Tür- und Angelgesprächen - über die aktuell wichtigen Informationen bezüglich Ihres Kindes im Austausch. So informieren wir uns gegenseitig über aktuelle Erlebnisse und Gegebenheiten. („Heute war eine schlaflose Nacht“ / „Dieses Kuscheltier ist heute ganz wichtig“ / „Heute war Ihr Kind sehr viel in Bewegung und ist jetzt schon etwas müde“ usw.)
Bei Elternabenden tauschen wir uns mit Ihnen über das aktuelle Gruppengeschehen aus und arbeiten gemeinsam an pädagogischen Themen.
Regelmäßig bieten wir Gesprächstermine an, um Sie über die aktuellen Entwicklungen Ihres Kindes in unserem Betreuungskontext zu informieren. Über Anregungen, konstruktive Kritik und Beobachtungen freuen wir uns.
Es ist uns wichtig, dass Eltern sich ebenso willkommen fühlen wie die Kinder. Wir begrüßen die Kontaktaufnahme der Eltern untereinander. Über Unterstützung der Elternschaft bei besonderen Aktionen (Sommerfest o.ä.) freuen wir uns.
Zweimal im Jahr veranstaltet Ohio e. V. einen Kindersachen-Flohmarkt. Da wir in der KTPG finanziell davon profitieren, erwarten wir bei diesen beiden Veranstaltungen die Mitarbeit der Familien. Dabei handelt es sich jeweils um einen zeitlichen Aufwand von ca. 2,5 Stunden pro Veranstaltung.